Foto:Ruby Nagel

Baldrian: Wirkung, Anwendung und warum er mehr kann als nur beim Einschlafen helfen

Was haben Regenwürmer und guter Schlaf gemeinsam?

Beide mögen Baldrian!

Wahrscheinlich kennst du Baldrian als pflanzliches Mittel zum Einschlafen, doch er hat noch einige andere Kunststücke auf Lager. Wusstest du zum Beispiel, dass auch Regenwürmer ganz verrückt nach Baldrian sind?

Warte, ich erzähl’s dir: Regenwürmer sind immens wichtig für einen gesunden Boden. Sie graben Gänge, lockern die Erde auf und fressen Pflanzenreste, Pilze und Bakterien. Dabei durchmischen sie den Boden und machen Nährstoffe für Gemüse, Kräuter und andere Pflanzen besser verfügbar. Man könnte sagen: Regenwürmer sind die fleißigen Gärtner unter unseren Füßen.

Und genau diese fleißigen Helfer werden vom Baldrian angezogen.

Auch im biologisch-dynamischen Anbau spielt Baldrian deshalb eine Rolle. Dort wird im Frühling ein Präparat aus Baldrian auf die Obstbaumblüte gesprüht und im Spätherbst auf Tomatenpflanzen. Es soll die Pflanzen dabei unterstützen, besser mit Frost umzugehen.

Schon spannend, oder? Während Baldrian im Garten Regenwürmer anlockt und Pflanzen unterstützt, begleitet er uns Menschen auf eine ganz andere Weise: Er hilft uns dabei, zur Ruhe zu kommen, den Tag loszulassen und sanft ins Traumland hinüberzugleiten.

Baldrian als Heilpflanze: Von Mondgeistern, Elfen und tiefem Schlaf

Im Volksglauben gilt Baldrian als Elfenpflanze. Unsere Vorfahren erzählten sich, dass in hellen Mondnächten Mondgeister um ihn herum tanzen und seine besondere Kraft bewachen.

Baldrian begleitet die Menschen schon seit Jahrhunderten. Lange bevor man seine Inhaltsstoffe im Labor untersuchte, wurde er als Heilpflanze geschätzt, die Ruhe schenkt, Ängste besänftigt und den Schlaf fördert.

Vielleicht ist es gerade diese Verbindung zur Traumwelt, die ihm seinen geheimnisvollen Ruf eingebracht hat - schließlich bekommt man unter Baldrian besonders lebendige Träume voller Bilder und Symbole und manchmal sogar Antworten auf Fragen, die der Verstand tagsüber nicht lösen konnte.

Ich finde diesen Gedanken schön. Denn Schlaf ist weit mehr als bloßes Ausruhen. Im Schlaf verarbeitet unser Körper die Erlebnisse des Tages, und auch unsere Seele bekommt Raum, Dinge zu ordnen.

Baldrian kann dir dabei helfen, leichter einzuschlafen und besser zur Ruhe zu kommen. Statt noch stundenlang über das Gespräch von gestern oder die To-do-Liste von morgen nachzugrübeln, lässt du den Tag nach und nach los und gleitest sanft ins Traumland.
Und wer weiß … vielleicht tanzen dort ja tatsächlich ein paar Mondgeister.

Baldrian-Wirkung erklärt: Was passiert im Gehirn?

Weißt du, wie der Baldrian es anstellt, dass wir durch ihn ruhiger werden un leichter einschlafen? Die Forschung hat in den letzten Jahrzehnten einige spannende Antworten darauf gefunden.

Warum Baldrian müde macht

Baldrian enthält verschiedene Inhaltsstoffe, die auf unser Nervensystem wirken. Sie helfen dem Körper dabei, aus dem „Aktiv-Modus“ herauszukommen und in den Ruhemodus zu wechseln. Dabei macht Baldrian nicht einfach müde wie eine Schlaftablette, sondern er unterstützt dabei, innere Anspannung loszulassen. Die Gedanken werden ruhiger, der Körper entspannt sich und das Einschlafen fällt leichter. Deshalb wird Baldrian nicht nur bei Schlafstörungen eingesetzt, sondern auch bei innerer Unruhe, Nervosität, Lampenfieber oder wenn man nach einem stressigen Tag einfach nicht abschalten kann.

 

Die Rolle von Adenosin beim Einschlafen

Im Laufe des Tages sammelt sich in unserem Gehirn ein Botenstoff an, der Adenosin heißt. Je mehr Adenosin vorhanden ist, desto stärker wird das Signal: „Es ist Zeit zu schlafen.“. Adenosin dockt an bestimmte Andockstellen im Gehirn an, sogenannte Adenosin-Rezeptoren und dort entfaltet es dann seine Wirkung und macht uns nach und nach müdchen. Man könnte sagen: Adenosin ist ein natürlicher Schlafbote. Je länger wir wach sind, desto mehr davon sammelt sich an und desto größer wird das Bedürfnis nach Schlaf.

 

Baldrian und Kaffee: Kann Baldrian die Koffeinwirkung abschwächen?

Und jetzt wird es spannend: Auch Koffein wirkt an denselben Andockstellen. Allerdings mit dem gegenteiligen Effekt. Es besetzt die Adenosin-Rezeptoren und verhindert, dass das müde machende Adenosin dort andocken kann. Deshalb fühlen wir uns nach einer Tasse Kaffee wacher und können schlechter einschlafen.

In Laborversuchen wurde festgestellt, dass Baldrian Inhaltsstoffe enthält, die ebenfalls an diesen Adenosin-1-Rezeptor binden können und zwar sogar stärker als Koffein.

Vereinfacht gesagt: Wenn Koffein den Platz am Rezeptor besetzt hält, kann das müde machende Adenosin nicht andocken. Baldrian scheint allerdings in der Lage zu sein, Koffein von diesem Platz zu verdrängen und selbst anzudocken. Dadurch kann die blockierende Wirkung des Koffeins nachlassen und man wird wieder müde.

Ist das nicht faszinierend? Eine Pflanze, die Menschen schon seit Jahrhunderten als Schlafmittel verwenden, nutzt möglicherweise genau dieselbe Schaltstelle im Gehirn wie Kaffee, nur eben mit umgekehrter Wirkung.

Wobei Baldrian helfen kann

„Alle Formen von nervösen Zuständen, ob im Krampf oder im Schmerz, verlangen den Baldrian!“


Sebastian Kneipp

Wenn man Baldrian nur als Schlafmittel betrachtet, tut man ihm eigentlich Unrecht. Ja, er kann das Einschlafen erleichtern und bei nervös bedingten Schlafstörungen unterstützen. Aber seine Stärken gehen weit darüber hinaus:

Immer dann, wenn Anspannung, Nervosität oder innere Unruhe eine Rolle spielen, lohnt sich ein Blick auf den Baldrian. Denn er beruhigt nicht einfach nur, er hilft dem Nervensystem dabei, wieder ins Gleichgewicht zu finden.

Baldrian kann unterstützen bei:

  • bei innerer Unruhe
  • bei Lampenfieber und Prüfungsangst
  • bei nervös bedingten Schlafstörungen
  • bei Gedankenflucht und ständig kreisenden Gedanken
  • bei Überempfindlichkeit aller Sinne
  • bei Muskel- und Nervenschmerzen
  • bei Schluckauf
  • bei nervöser Migräne
  • bei nervösen Magenbeschwerden
  • bei nervöser Reizblase
  • bei Jetlag und Zeitverschiebung

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Auch bei Schmerzen, die mit Anspannung, Angst oder Verkrampfung zusammenhängen, könnte man an Baldrian denken. Ich denke da z. B. an Blähungen, Magenkrämpfe oder Spannungskopfschmerzen.

Besonders sympatisch finde ich, dass Baldrian nicht einfach nur beruhigt, sondern auch dabei hilft, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die innere Unruhe tritt in den Hintergrund, man wird gelassener und gleichzeitig klarer im Kopf.

Deshalb schätze ich Baldrian nicht nur bei Schlafproblemen, sondern auch wenn man ständig unter Strom steht, von Termin zu Termin hetzt oder abends nicht abschalten kann.

Er hilft dabei, die Spannung loszulassen und wieder etwas mehr Ruhe einkehren zu lassen.

Und noch etwas beobachte ich gelegentlich: Nicht jeder Mensch reagiert auf Baldrian gleich. Manche Menschen werden davon nicht müde, sondern eher wacher und klarer. Diese sogenannte paradoxe Wirkung ist selten, kommt aber vor.

 

Baldrian anwenden: Tee, Tinktur, Bad oder ätherisches Öl?

Mein Tipp für dich: Besonders bewährt bei Überarbeitung und Erschöpfung

Eine Situation, in der ich besonders gerne an Baldrian denke, ist bei geistiger und / oder körperlicher Überarbeitung.

Vielleicht kennst du das: Du bist völlig erschöpft, hast den ganzen Tag gearbeitet, funktioniert und geschafft. Eigentlich müsstest du abends vor Erschöpfung sofort einschlafen. Stattdessen liegst du wach.
Manchmal sind wir so ausgepowert, dass uns sogar die Kraft fehlt, loszulassen und in den Schlaf zu gleiten. Genau hier schätze ich den Baldrian besonders. Er beruhigt nicht nur ein überreiztes Nervensystem, sondern er ist auch eine Heilpflanzen, die Erschöpften wieder ein kleines Stück Kraft zurückgibt. So paradox es klingt, aber tatsächlich braucht es etwas aktive Energie, um loslassen zu können. Und genau dabei kann Baldrian unterstützen.

Deshalb denke ich bei Baldrian nicht nur an Schlafstörungen, sondern auch an Menschen, die über längere Zeit zu viel geleistet und durchgehalten haben und überarbeitet sind.

Kurzer Heilpflanzensteckbrief:

 

  • Botanische Bzeichnung: Valeriana officinalis L.
  • andere Namen: Katzenwurzel, Stinkwurzel, Mondwurzel, Katzengeil, Waldspeik
  • Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
  • Blütezeit: Juni - September
  • Erntezeit: September bis November
  • Standort: sonnig bis halbschattig, nährstoffreicher und eher feuchter Boden
  • medizinisch verwendeter Pflanzenteil: Wurzel
  • Anwendungsformen: Tee, Tinktur, Tabletten, Dragees, Kapseln, Badezusatz, ätherisches Öl, Heilpflanzensaft
  • mehrjährige, winterharte Pflanze
    kann bis zu 2 Meter hoch werden
    zart rosa bis weiß blühend
    zieht Regenwürmer an und wird von Katzen oft heiß geliebt

Kurz und knackig: das bewirkt der Baldrian

  • beruhigend
  • entspannend
  • krampflösend
  • schlaffördernd
  • nervenstärkend
  • angstlösend
  • ausgleichend bei Stress und
  • Reizüberflutung
  • bei innerer Unruhe
  • bei nervös bedingten Schlafstörungen
  • bei Einschlafproblemen durch Stress und Überarbeitung
  • bei Lampenfieber und Prüfungsangst
  • bei Gedankenkarussell und Grübelneigung
  • bei nervöser Migräne
  • bei Muskelverspannungen und Krämpfen
  • bei nervösen Magen-Darm-Beschwerden
  • bei nervöser Reizblase
  • bei Jetlag und Zeitverschiebung
  • unterstützt die Konzentration in stressigen Zeiten
  • kann bei manchen Menschen paradoxerweise anregend statt beruhigend wirken

Heilpflanzenwissen für den Alltag:

Wenn du tiefer in die Welt der Heilpflanzen eintauchen möchtest, begleite ich dich gerne dabei.

In meinem Kräuterkurs lernst du nicht nur einzelne Pflanzen kennen, sondern verstehst auch:

  • wie sie wirken,
  • wie man sie traditionell und heute anwendet,
  • mögliche Grenzen
  • und die sichere Verarbeitung im Alltag.

Schritt für Schritt baust du dir ein fundiertes Wissen über heimische Heilpflanzen auf! Verständlich erklärt, praxisnah und naturverbunden.

 … Denn altes Kräuterwissen ist unglaublich wertvoll. Und ich finde, es verdient es, bewahrt und weitergegeben zu werden.

→ Hier geht’s zu meinem Kräuterkurs „Mein Kräuterjahr“: https://rubynagel.com/kraeuterkurs-online-mein-kraeuterjahr/ 

5 Kommentare

  1. Hallo Ruby, das ist lustig. Gestern habe ich zum ersten Mal einen Baldrian Tee kalt angesetzt und abends getrunken. Etwas später noch ein Glas Wein. Dann bin ich tatsächlich auf dem Sofa eingeschlafen, was meine Familie sehr lustig fand. Nachts hatte ich intensiv geträumt. Und jetzt lese ich Deinen Newsletter und bin begeistert. Danke liebe Ruby. Dein Wissen verknüpft mit den alten Geschichten und neuen Erkenntnissen sind so wertvoll und inspirierend. Lg Michaela

  2. Liebe Ruby, ich kann mich nur Gabi anschließen. Du bist immer besser, informativer, es ist eine Freude deine zeile zu lesen. Danke.😄

  3. Interessant, dass Baldrian die Koffeinwirkung aufheben kann. Ich reagiere da sehr empfindlich und habe dann schnell Schlafprobleme. Ich werde mich mal in der Apotheke nach so einem Mittel erkundigen.

  4. Hallo liebe Gaby und vielen Dank für dein Kompliment! Ich werde mir deine Empfehlung mal anschauen. … auch wenn ich mir meine Bittertropfen selber herstelle 😉 Liebe Grüße, Ruby

  5. Wirklich schöner Blog und super informativ, ich bin begeistert!
    Du weißt bestimmt auch jede Menge über Bitterstoffe. Ich habe jetzt angefangen, diese in meinen Alltag einzubauen und bin von ihrer Wirkung schlichtweg begeistert. Der Baldrian enthält von ihnen auch sehr viele. Falls du mal nicht die Kapazitäten haben solltest, jeden Tag frische Bitterstoffe zu dir zu nehmen, kann ich dir nur wärmsten die BitterTropfen von https://gutsmiedl.de/hildegard-spezialist/ empfehlen!
    Ganz liebe Grüße, und ein großes Kompliment an dich!
    Lg, Gaby

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